ein Hφrspiel nach Alfred Jarry
produziert von Radio T


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  Nach der erfolgreichen Urauffόhrung unseres Hφrspiels zur Lese-Insel in Chemnitz kφnnen Sie nun den Kφnig Ubu erstmals im Radio erleben...

...am Freitag, dem 5. August 2005, um 20:00 Uhr auf Radio T Chemnitz, 102.7 MHz
(Wie Sie Radio T im Umland empfangen können, erfahren Sie hier)

Weitere Sendetermine, u.a. auch auf anderen Radiostationen sind in Planung und werden demnδchst hier bekanntgegeben.

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Unser Werbetrailer aus dem Radio T - Programm steht hier zum Download bereit:

Trailer Kφnig Ubu, MP3-Format, 2.07 Min, 2,5 MB

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Initiiert von den beiden langjährigen Radio T - Mitgliedern Anja Herrmann und Frank Schale, benötigte das Hörspiel "König Ubu" zwei Jahre, um vollendet zu werden. Um ein soziokulturelles Projekt zu sein, stand die Idee im Mittelpunkt, vor allem junge Leute ans Werk zu lassen - so wurden fast alle Charaktere von Schülern des musisch orientierten André-Gymnasiums in Chemnitz eingesprochen. Ebenso trug die Deutschlehrerin Iris Heisrath ihren koordinierenden und beratenden Teil bei.
v.l.: Sebastian Steger,
Anja Herrmann, Frank Schale

Die Musik des Hörspiels stammt von Sebastian Steger, einem ebenfalls in Chemnitz ansässigen Komponisten und Produzenten. Er lieferte 14 Songs, von denen zehn Eingang in das Hörspiel fanden. Auch für ihn waren die Schüler mit ihren musikalischen Gastspielen auf der Violine (Annegret Frauenlob) und der Gitarre (Peter Dick) eine wertvolle Unterstützung.

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  Unsere Hauptdarsteller in Action:

Marc Grünert Constanze Teichmann


Die Rollen im Einzelnen:

Vater Ubu Marc Grünert
Mutter Ubu Constanze Teichmann
Erzδhler Leonore Berger
Hauptmann Bordure Martin Herold
Bougrelas Peter Will
König Wenzeslas & Zar Alexis Dirk Eidner
Königin Rosamunde Annegret Frauenlob
Spießknecht Pile Felix Riethmόller
Spießknecht Cotice Tobias Vogelsang
Renski & Bote Peter Dick
Kapitδn & Michail Fedorowitsch Sebastian Steger


   
Teambesprechung: v.l. Felix Riethmüller,
Tobias Vogelsang, Peter Dick,
Anja Herrmann, Frank Schale
  Unsere "Spießknechte" Felix
Riethmüller und Tobias Vogelsang (v.l.)
 
oben v.l.: Marc Grünert, Tobias
Vogelsang, Felix Riethmüller,
Peter Dick, Peter Will
unten v.l.: Frank Schale, Sebastian
Steger, Martin Herold, Dirk Eidner
  v.l. Peter Dick, Marc Grünert,
Martin Herold

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1895 Cäsar Antichrist
1896 König Ubu
1897 Tage und Nächte - Roman eines Deserteurs
1897 Ubu Hahnrei oder der Archaeopterix
1899 Ubu Knecht
1901 Messalina
1902 Der Supermann
1911 Heldentaten und Ansichten des Pataphysikers Dr. Faustroll
1911 Spekulationen

 
Alfred Jarry wird am 8. September 1873 in Laval (Frankreich) als zweiter Sohn des mittelständigen Kaufmanns Anselme Jarry und dessen Ehefrau Caroline geboren. Er geht in die Schule von Saint-Brieuc und wechselt mit 15 Jahren nach Rennes. Was er an Wuchs klein ist, gleicht er durch Intelligenz und Wortwitz aus. Kurz: die Lehrer hassen ihn. Drei Jahre später zieht er nach Paris.

Nach dem Militärdienst widmet sich Jarry ganz der Literatur. Er besucht literarische Salons und beginnt mit dem Schreiben. 1893 erscheinen erste kleine Texte, zumeist Prosa und Verse. Er unterhält Kontakte mit Literaten und Künstlern, etwa Guillaume Apollinaire oder Henri Rousseau.


Am 10. Dezember 1896 wird der Ubu erstmals aufgeführt und nach dessen Misserfolg setzte Jarry alles daran, Fortsetzungen zu schreiben. Erfolglos. Sein Hobby blieb die von ihm erfundene "Pataphysik" – eine Wissenschaft der Einzelheiten, die vor allem eins sein soll: absurd. Die grundlegende Idee trägt er in dem Roman "Heldentaten und Meinungen des Pataphysikers Doktor Faustroll" vor: "Sie soll die Gesetze untersuchen, die diesen Ausnahmen unterliegen, und will das zu dem existierenden zusätzlich vorhandene Universum deuten." Denkbar wäre etwa die so gewichtige Frage, welche Oberfläche Gott hat.

Nachdem sein kleines Vermögen bald aufgebraucht war, glitt Jarry, der sich nun mit „Vater Ubu" identifizierte, immer mehr in ein Leben ab, das seinem literarischen Programm glich: Zerstören und Sich-Selbst-Zerstören. Dies gilt vor allem seinem leidenschaftlichen Cognacgenuss. Völlig verarmt ernährte sich der Alkoholiker von rohem Fleisch und Pfeffergurken.

Als von Gläubigern gejagter kranker und einsamer Mann stirbt er am 1. November 1907 in einem Pariser Krankenhaus. Seinen Schalk hat er bis zuletzt nicht verloren: Als ein Freund ihn kurz vor seinem Tod in das Krankenhaus besuchen kommt, fragt Jarry den verduzten Besucher: "Nun, wie geht es denn so?"

Solche Anekdoten über Alfred Jarry gibt es viele. So hat der immer mittellose Literat aus seinem kleinen Wuchs Kapital geschlagen, indem er in seine Pariser Wohnung einen Zwischenboden einzog. So lautete dann seine Adresse: Rue Cassette, dreieinhalbte Etage.

Eine andere Geschichte erzählt Apollinaire: Alles in der Wohnung von Jarry war zu klein: das Bett, die Bibliothek, sogar die an den Wänden hängenden Bilder. Nur auf dem Kamin stand ein steinerner Phallus aus Japan und als ihn einmal eine Dame schockiert entdeckte, meinte der Bewohner auf ihre Frage, ob dies ein Gipsabdruck sei, nur kurz: "Nein, eine Verkleinerung."

Ansonsten liebte Jarry Fahrrad fahren – am liebsten mit zwei Pistolen und seinem grünen Regenschirm, der dem Stöckchen von Vater Ubu glich, welcher ihn so gern als Folterwerkzeug benutzte. Wollte Jarry freie Bahn oder fragte ihn jemand nach dem Weg, schoss er mit seinen Pistolen kurzerhand in die Luft.

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Das Theaterstück basiert auf wahren Erlebnissen: Der Schüler Charles Morin verfasst 1885 die Episode "Les Polonais" ("Die Polen") über seinen – und bald auch Jarrys – tollpatschigen Physiklehrer Hébert. Professor Hébert ist ein wohlgesinnter, dicker und hoffnungslos unqualifizierter Lehrer. Alle Schüler erkennen, dass er nur das arglose Opfer zahlloser Streiche sein kann. Die Jungen verhöhnen und stören, wie sie nur können, bringen allerlei Getier, etwa Heuschrecken und Frösche in den Unterricht mit, werfen alle möglichen Dinge an die Tafel, während der schmuddelige Pauker all dies phlegmatisch über sich ergehen lässt, bis – er endlich in Rage ausbricht, tobt und schreit.

 
1888 kommt nun Alfred Jarry an dieses Lyzeum in Rennes, er lernt Charles Morin kleinen Bruder Henri und vor allem Monsieur Hébert kennen. Jarry sieht in Hébert nicht den schwächlichen Pauker, sondern vor allem eins: den Spießer, der zwischen lebloser, desinteressierter und naiver Dummheit einerseits und blinder Raserei, bei der seine Augen heraustreten und Geifer aus seinem Mund spritzt, andererseits hin und her schwankt. Während die anderen Kinder sich einfach nur über die Unbeholfenheit und Beschränktheit amüsieren, geht es Jarry um etwas anderes: In seinem Lehrer erkennt er, wie der Spießbürger in seinem Hass zur Bestie wird, der alles um sich herum vernichten würde, wenn er denn nur könnte. Der Untertan, das ist der Massenmörder!
die von Jarry selbst
gebastelte Marionette
des "Vaters Ubu"
 

Dies veranlasst Jarry dazu, die unvollständige Paukersatire zu einer Gesellschaftsfarce mit zahlreichen Anleihen an Shakespeare umzuschreiben, die 1894 im Hause von Jarrys Verleger Alfred Valette ihre Premiere erlebt. Am 10. Dezember 1896 erlebt sie dann nach langen Verhandlungen ihre erste öffentliche Premiere im "Théâtre de l'Oeuvre". Jarry, der gleich den Vater Ubu spielen wird, setzt zu einer Vorrede an:


"Meine Damen, Meine Herren, Es wäre überflüssig – außerdem ist es ein wenig lächerlich, wenn der Autor über sein eigenes Stück spricht ... Sie können in Herrn Ubu beliebig viele Anspielungen sehen oder eine simple Kasperlefigur, in die ein Pennäler einen seiner Lehrer verzerrt hat, der für ihn der Inbegriff alles Grotesken war, das es auf der Welt gibt."
 
  Originalprogrammheft zur
Theaterpremiere von "Ubu Roi"

Dann würdigt Jarry noch kurz die unter anderem von Toulouse-Lautrec gestaltete Kulisse aus Pappmaschee und kurz darauf watschelt Firmin Gémier von der Comédie Française als fetter Ubu auf die Bühne, posiert vor dem Publikum, dass aus Intellektuellen mit gehobenen Geschmack besteht, und ruft: "Merdre!" Ein Wort, das es nicht gibt, aber dem "Merde!" zum Verwechseln ähnlich klingt. Sofort schrie ein Großteil der Besucher auf – Skandal! Vieles hatte man gesehen, aber nicht das! Heftige Wortgefechte brechen zwischen Befürwortern und Gegner aus. Und es ist allein der improvisierten Komik des Schauspielers Gémier zu verdanken, dass es nach endlos scheinenden Debatten weiter geht. Der Schriftsteller und Nobelpreisträger William Butler erlebte die Uraufführung von Ubu Roi wie folgt:

"Obwohl der irische Dichter nur wenig Französisch verstand, klatschte und jubelte er, um seine Unterstützung für die ‚beherzte Partei’ zu bekunden. Einsam in seinem Zimmer im Hôtel Corneille hernach jedoch empfand er tiefe Traurigkeit. Er wusste, dass seine Welt und seine Kunst, die er vertrat in Scherben lagen, und Jarrys Theaterstück hatte ihm eine Vorstellung davon vermittelt, was dernach kommen würde. Als er den Abend später in seiner Autobiographie schilderte, schrieb er: 'Nach uns der Barbarische Gott.'"

 
Das klassische Theater und die etablierte Kritik hasst dieses Stück. Alle Kritiker verreißen es. Nur ein einziger Theaterkritiker lobt die Premiere von "Ubu Roi" positiv – und wird sofort von seiner Zeitung entlassen. Das Stück wird vom Spielplan abgesetzt, alle weiteren Verhandlungen mit dem Theater scheitern. Auch wenn Jarry wie von Sinnen diverse Textänderungen vornimmt, Fortsetzungsstücke schreibt, zu Lebzeiten kommt sein "Ubu" nicht mehr auf die Bühne. Was jedoch William Butler und der im Publikum sitzende bedeutendste französische Lyriker Stéphane Mallarmé spüren, ist der enorme Aufbruch, der von diesem Prosadrama ausgehen wird.
Max Ernst - Ubu Imperator,
1923/24
 


Diese Art Literatur gibt eine Ahnung von der Generalattacke der Surrealisten und Dadaisten im Schatten des Donnergrollen des Ersten Weltkrieges - André Breton, 1950:

"Man wird zugeben, dass die Ereignisse der letzten zwanzig Jahre Ubu eine unerhörte prophetische Bedeutung gegeben haben."

Die Geschichte des Rüpelstücks ist ganz simpel: Der polnische Dragonerhauptmann und ehemalige König von Aragon Ubu wird auf mehr oder weniger intensives Betreiben seiner lieben Ehefrau – Ubu: "der allerletzten Schlampe" – die Idee gebracht, den König zu ermorden. Nach kurzen aber heftigen Gewissensbissen und der Versicherung seines Hauptmanns, er müsse sich nicht groß die Hände schmutzig machen, beginnt der Putsch. Die Familie wird abgesehen vom jüngsten Sohn des Königs massakriert. Obwohl Ubu sich mit der neuesten Hutmode und Leberwurst ausstatten will, gibt er dem Ratschlag seiner Frau nach und veranstaltet ein albernes Fest, das Volk wird unterhalten und einige reich belohnt. Diese kurzweilige allseitige Popularität erfährt ein rasches Ende, als Ubu die Steuerschrauben anzieht und den Mitverschwörer in den Kerker werfen lässt. Da nützt es auch nicht, dass er die Paladine des alten Königs – Beamte, Richter und Steuereintreiber – hinrichten lässt. Nachdem nun auch der Hauptmann nach Russland entfliehen kann, kommt es schließlich zum Krieg, aus dem sich Vater und Mutter Ubu gerade so noch retten können. Sie beschließen, die Polen, welche Ubu doch über alles liebt, zu verlassen und nach Frankreich zu gehen.

Was sich in dieser Farce ankündigt, führt Alfred Jarry in seinen späteren Stücken konsequent fort. Obwohl Vater Ubu am Ende von "Ubu Roi" ankündigt, eine Diktatur über Frankreich zu errichten, sieht dies in der Fortsetzung "Ubu Knecht" schon ganz anders aus. Weil ihm alles abhanden gekommen ist, entschließt er sich in Frankreich, dem Land der bürgerlichen Freiheit, zur freiwilligen Knechtschaft. Nachdem er erklärt "Kein Mensch wird mich hindern, meine Knechtspflicht zu tun. Ich will erbarmungslos dienen. Tötet! Enthirnt!" So wird Ubu nun doch noch König und auch die Revolte des Hauptmanns muss scheitern, denn schließlich – so das bittersüße Ende – wollen alle freien Menschen wie Ubu freiwillig in Ketten leben, solange ihr Wanst auf solch bequeme Art immer dicker und dicker wird.

Das Stück ist eine Farce, die stets zwischen ernsthaften Anliegen und seiner saloppen Form pendeln. Handlung und Figuren sind grotesk, billig und platt. Sie sind nichts als abgehalfterte Marionetten. Zusammenhanglos wird von der Banalität des ehelichen Alltags ebenso erzählt wie von wüsten Fressorgien, stupider Slapstick, blutrüstigen Schlachten, billiger Rührseeligkeit. Vielleicht ist es diese sinnlose Aneinanderreihung, die die etablierten Klassikliebhaber stört.

Der Surrealist Phillipe Soupault:
"Zunächst hat uns Jarry gefallen, weil er ein großer Zerstörer war. Ohne Einschränkung erkennen wir ihm alle Kräfte des Humors zu. Wir waren mit ihm einig, wenn er Gehirne zermatschte oder wenn er sich entschloss, die ganze Welt durch eine Falltür zu werfen. ... Ubu hat – was wir alle gern gewollt hätten – reinen Tisch gemacht. ... Jarry versuchte zu missfallen, zu provozieren, heulen zu machen, und obwohl er uns zum Lachen brachte, erinnerte er uns brutal an das, was wir gerne vergessen hätten."


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  Frank Schale Koordination, Aufnahmeleitung, Schnitt Email  
  Anja Herrmann Koordination, Aufnahmeleitung, Schnitt Email  
  Sebastian Steger Musik, Post Production Email Website
  Madeleine Heinbucher Logo Design, CD Layout Email  
  Radio T Technik Email Website
 


Wir bedanken uns fόr die finanzielle, sachliche und ideelle Hilfe von Radio T und dem Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Chemnitz.

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